_Statements

#ejwfeiert:

  • Prägende Erfahrungen
  • Grüße zum 50. Geburtstag des EJW von den Partnern des EJW-Weltdienst
  • Predigt-Impulse von Landesbischof July, Sabine Schmalzhaf und Dieter Braun
  • Grussworte von Landesbischof July, Hansjörg Kopp und Andreas Lämmle

75 Jahre einzigartig
Die „Schwabenformel“ habe ich immer als besonders segensreich erlebt, weil sie das gemeinsame Gespräch nötig macht. Ein Beispiel:
In einem Kirchenbezirk gab es (mal wieder) Spannungen zwischen Dekan und Bezirksjugendreferent. Der Dekan beklagte sich beim Oberkirchenrat. Er wollte seine Vorstellung von Jugendarbeit durchgeführt sehen. Der für die Werke zuständige Oberkirchenrat Leube wandte sich an mich mit dem Vorschlag, gemeinsam den Dekan und den Jugendreferenten zu besuchen. Unterwegs tauschten wir unsere Informationen und Gedanken aus und gingen, so vorbereitet, in das Gespräch. Eine neue Basis für das Miteinander wurde gefunden. (662, ohne Überschrift 642 Zeichen)

50 Jahre gemeinsam
In der wöchentlich stattfindenden Referentenkonferenz der Landesstelle, wurden die gemeinsam betreffenden Aufgaben und Vorhaben besprochen und beschlossen. Dabei zeigte sich, dass es gut war, am Anfang einer jeden Konferenz eine Andacht, bzw. Bibelarbeit zu halten, die reihum vorbereitet wurde. Beim Austausch darüber wurde uns die Verschiedenheit der einzelnen, vor allem aber die gemeinsame Basis und das Ziel unserer Arbeit deutlich. Wir erlebten, wie die Verschiedenheit der Sicht- und Herangehensweisen (der „Macher“ und Prozessorientierten) in den folgenden Beratungen mitunter zeitraubend waren, aber dem guten Gelingen der Sache diente. (Es war uns wichtiger, dass sich alle abgeholt und mitgenommen fühlten, als rasch ans Ziel zu kommen.) Und immer wieder mussten wir dabei auch unser Männer- und Frauenbild korrigieren. (mit Überschrift 849, ohne 831 Zeichen. Bei Weglassen des Klammersatzes 103 weniger.)

100 Jahre bewegt
Sowohl im Fachausschuss, als auch bei den Wettkämpfen, fand ich im Eichenkreuzsport eine breitere Zahl von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, als sonst in der evangelischen Jugendarbeit. Ganzheitlich, mit Körper, Seele und Geist wollten sie Gott für ihre Gaben danken und mit gegenseitiger Achtung und Fairness an den Übungen und Wettkämpfen teilnehmen. Ich erlebte sie als wirklich „frisch, fromm, fröhlich und frei“.
Die segensreiche Eichenkreuzarbeit erlebte ich besonders eindrücklich, bei den Kursen für Leiter von Skifreizeiten, im praktischen Teil am Nachmittag. Ganz andere Seiten wurden bei mir und den anderen erkennbar und dies schaffte eine neue, noch tiefere Gemeinschaft.


Dieter Eitel war von 1979 bis 1987 Leitender Referent des EJW

gemeinsam
Als ich 1984 als Leitender Referent ins Jugendwerk kam, waren die Nachwehen der Fusion noch immer deutlich zu spüren. Es gab zwei Leitende Referenten, die jeweils in der Tradition eines der ehemaligen Werke gesehen wurden. Damit umzugehen, war nicht einfach. Als ich mich für eine vereinfachte Leitungsstruktur einsetzte, hatten nicht wenige die Sorge, dass das Jungmännerwerk nun endgültig das Mädchenwerk „schlucke“. So schwierig es war, es ist verständlich. Die beiden Werke waren geistliche Heimat gewesen. Die je eigene Prägung wurde hochgehalten und verteidigt. Mein Bild dafür: Bei Khartoum fließen der weiße und der blaue Nil zusammen. Aus dem Flugzeug konnte ich sehen, wie lange die unterschiedlich gefärbten Wasser brauchen, um sich zu vermischen. Doch die Zeit, der gemeinsame Weg, Verwirbelungen zeigten Wirkung. Irgendwann hatte der Nil eine einheitliche Farbe.
Nach intensiven Diskussionen wurde eine neue Leitungsstruktur beschlossen. Diese wurde 1991 wirksam. Ich meine, damit wurde die Fusion abgeschlossen. Das Jugendwerk wurde letztlich gestärkt. Seine Stärke liegt in seiner Integrationskraft begründet. Mit einem klaren geistlichen Profil und gleichzeitig großer Weite werden junge Menschen begleitet und zum Glauben eingeladen. Die Formulierungen der Ziele des EJW sind im Zuge der Strukturänderung in einer ersten Fassung entstanden. Das EJW ist durch Gemeinsamkeit und zugleich Vielfalt breit aufgestellt, in der Breite wirksam und für viele einladend.

Ein dreimal Hoch auf das EJW! Ein dreifacher Grund zu feiern. Tausend Gründe, Gott zu danken. Zu den Jubiläen einige persönliche Erinnerungen und Anmerkungen.

einzigartig
Seit 1946 besteht die Aufgabe, für die „Württemberger Lösung“ um Verständnis zu werben. Das ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Ist das Jugendwerk ein freies Werk in der Landeskirche oder ein Auftragsinstitut der Landeskirche, ist es selbständig oder im Auftrag tätig? Die Formulierung „selbständig im Auftrag“ bringt Gegensätzliches zusammen.
Die Haushaltsgespräche zeigten großes Vertrauen und Wohlwollen des OKR. Nicht wenige der in der Kirchenleitung Verantwortlichen waren selbst durch eines der beiden Werke geprägt und darin ehren- oder hauptamtlich tätig gewesen. Der damalige Finanzdezernet zitierte einmal mehr beiläufig den Satz von Manfred Müller: „Das Jugendwerk hat vom Oberkirchenrat immer nur finanzielle Anweisungen bekommen.“ Diese Aussage war von der Überzeugung geleitet, dass es für die Landeskirche das Beste sei, wenn das Jugendwerk in größtmöglicher Freiheit seine Arbeit tun und das heißt: in die Jugendarbeit Impulse geben kann – „selbständig im Auftrag der Landeskirche“. Wie wahr! Entsprechendes gilt für die Bezirks- und Ortsebene.
Manchen Geschwistern aus dem CVJM-Gesamtverband waren wir zu kirchlich, zu abhängig von der Landeskirche. Nun, die hatten manche „Probleme“ nicht. Sie konnten sich – notfalls gegen die landeskirchliche Jugendarbeit – profilieren, mussten nicht die Breite einer Landeskirche repräsentieren. Jedoch, wenn es um verlässliche und dazu kreative Mitarbeit im Gesamtverband ging, waren die Referentinnen und Referenten des EJW stets gefragt. Wir können dankbar und auch ein wenig stolz sein, dass das EJW heute konzeptionell in der ersten Liga der Jugendverbände spielt – nicht zuletzt dank der Finanzen, die die Landeskirche zur Verfügung stellt, und der erheblichen Spendenmittel der Freunde des EJW. Die „Württemberger Lösung“ schafft ehrenamtlichem Engagement Raum, das am Ende den Kirchengemeinden und der ganzen Kirche zugutekommt.

bewegt
Es ist gut, dass es die Sportarbeit im EJW gibt. Handball, Fußball, Indiaka, Volleyball – der Mannschafts- und Breitensport überwog schon in den 80ern. Leichtathletik spielte kaum mehr eine Rolle. In diese Lücke eingetreten sind inzwischen Lauf-Events, die sich wachsender Beliebtheit erfreuen. Wichtig: das Skilehrwesen. Ohne die eigenen Skilehrerinnen und Skilehrer wäre es schwierig (gewesen), die vielen Winterfreizeiten durchzuführen. Die Sportarbeit ist ein Arbeitsbereich des EJW und eine Querschnittsaufgabe.
Was ich lange nicht gesehen habe, was aber nicht zu unterschätzen ist: Durch die Eichenkreuzarbeit gibt es eine direkte Verbindung zur Arbeit der vielen und in unseren Orten meist starken Sportvereine. Wenn es auch auf der unteren Ebene mitunter schwierig ist, Hallenzeiten zu bekommen, die Kontakte zu den landesweit Verantwortlichen sind hilfreich.
Das EJW feiert. Persönlichen Dank für sieben herausfordernde Jahre, für bleibende Freundschaften, schöne Erinnerungen. Herzlichen Glückwunsch zu einer reich gesegneten Geschichte – und vielen, vielen engagierten, kreativen ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die eine Leidenschaft für junge Menschen und das Evangelium von Jesus Christus haben.


Harald Klingler war von 1984 – 1991 Leitender Referent des EJW

Gemeinsam – ?

Wenn sich zwei geprägte Persönlichkeiten entschließen, künftig als neue Einheit gemeinsam weiter zu gehen, dann haben sie einen Weg vor sich, auf dem sie sich immer wieder verständigen und einig werden müssen; Kompromisse sind nötig und es geht nicht ohne Respekt für den Partner / die Partnerin und das, was ihm bzw. ihr wert und wichtig ist.

Im Juni 1971 schlossen sich das Evangelische Mädchenwerk und das Evangelische Jungmännerwerk zum ejw zusammen. Gefeiert wird also „Goldene Hochzeit“. Für diese Fusion wurde als leitendes Stichwort „gemeinsam“ gewählt.

In dieser Kurzbeschreibung sieht man nicht, was heute wahrscheinlich viele nicht wissen: Es ging um einen sehr mühsamen, auch schmerzhaften Weg, bei dem das Datum 5. / 6. Juni 1971 zwar ein offizieller Akt war – und doch nur ein Zwischenschritt. Voraus gingen lange Verhandlungen, oft nach dem Muster „zwei Schritte vor und ein Schritt zurück“. Nachdem der Vertrag unterzeichnet war, lösten sich die Ängste und Sorgen nicht einfach auf, und das Vertrauen fand nur langsam einen Grund zum Wachsen. Die Formulierungen in der Satzung zur Zielsetzung der Jugendarbeit waren, bedingt durch die Prägung der beiden Werke, unterschiedlich gefüllt. Das „Gemeinsam“ musste erst noch ins Leben kommen und eine Gestalt finden.

Mit einem Beispiel möchte ich das sichtbar machen.
Im „Unter uns 4/2020“ sind die Arbeitsbereiche der Landesstelle vorgestellt. Im Bereich „Jugendliche“ gibt es 13 Referent*innen, darunter einen mit dem Auftrag „Beziehungsorientierte Jugendarbeit / Young Life“. Dass Beziehungsarbeit wichtig ist, war schon davor im „U.U.“ zu lesen. Wenn ich auf den Klang der Nachrichten höre, meldet sich die Frage, wie das „Beziehungsmäßige“ gemeint ist: Werden Beziehungen, die man hat oder schafft, als hilfreiches Mittel gesehen, das nötig ist, das man nützen kann, mit dem man Ziele erreicht? – oder sind Beziehungen eine Haltung, mit der man lebt, die man reflektiert, in der man andere als Gegenüber auf Augenhöhe achtet?
Auf der Beziehungsebene leben, arbeiten, den Menschen begegnen – das war wesentlich für die Basis der Mädchenarbeit. Dazu gehörte das Ausbalancieren von Inhalts- und Beziehungsebene im Miteinander. Vom Jungmännerwerk brachte uns das den Vorwurf ein, das Beziehungsmäßige würde zu sehr hochgespielt; mehr Sachlichkeit sei nötig. In den Jahren des Fusions-Prozesses, der ja weit über 1971 hinausging, lag hier eine der Reibungsflächen.

Die Beauftragung eines Referenten mit „beziehungsorientierter Jugendarbeit“ zeigt vielleicht, dass hier ein Mangel entstanden ist. Ob diesen ein einzelner Referent auffangen kann? Wir brauchen Menschen, die selbst auf dem Weg sind – die Beziehungen nicht nur haben und einsetzen, sondern in Beziehung sind und leben. Das ist ja das Herz unserer Jugendarbeit, dass junge Menschen begleitet werden auf dem Weg, beziehungsfähig zu werden, den Glauben zu leben – in eine vertrauensvolle Gottesbeziehung hinein zu wachsen.


Helga Hansis war von 1987 – 1991 Leitende Referentin des EJW

75 Jahre einzigartig
Das fanden wir schon vor 25 Jahren. Da waren wir 50 Jahre einzigartig. Zum Jubiläum brachten wir ein Buch heraus mit dem Titel „selbständig miteinander unterwegs.“ Die Buchpräsentation war an meinem Geburtstag- auch bisher einzigartig in meiner Biografie. Im Vorwort habe ich den Satz zitiert, den ich seither nicht mehr vergessen habe. Bischof Theophil Wurm, der 1946 das Abkommen mit der einzigartigen Schwabenformel unterzeichnet hatte, sagte, „dass Jugendarbeit nur in der Luft der Freiheit atmen könne.“ Was für eine weise und weite Erkenntnis! Wir sind gut miteinander gefahren, „selbständig im Auftrag.“


Rainer Kiess war von 1992 – 2001 Leiter des EJW

Das Dreifachjubiläum 2021 unter besonderen Bedingungen lässt mich zurückdenken an meine Zeit als Leiter des EJW von 2002-2007. Damals spürte man bereits den Umbruch in der Jugendarbeit und neue Wege waren gefragt. Aber wann sind neue Wege mit und für Jugendliche eigentlich nicht gefragt?! Die Anfänge der ChurchNight liegen in diesen Jahren. Der 31. Oktober wurde immer stärker von Halloween geprägt; dass es die Geburtsstunde der Reformation war, schwand aus dem Bewusstsein. So fand sich ein Kreis von Jugendreferentinnen und Jugendreferenten, der sich überlegte, wie denn kreativ und einladend der Abend des Reformationsfestes gestaltet werden könnte. Die Anfänge waren beeindruckend, und ich erinnere mich daran, dass bei der ersten ChurchNight die jungen Halloween-Gruppen um die in verschiedenen Farbtönen erleuchtete Kirche herumschlichen, hineinschauten und verwundert viele junge Menschen entdeckten, die zusammenkamen, um ein vielfältiges Programm zu erleben. Mittlerweile ist die ChurchNight fester Bestandteil des Kirchenjahres in vielen deutschen Gemeinden: Jugendarbeit gemeinsam – einzigartig – bewegt.

Auch die Jugendkirche(n) war(en) ein Projekt, das in Württemberg dank der Förderung durch die Landeskirche gestartet werden konnte. Junge Leute konnten frei experimentieren und für sich selber erfahren, was es heißt, Gemeinde zu bauen und zu erleben. Projektstellen wurden errichtet, die Erfahrungen zusammengetragen und Bilanz gezogen. Noch heute profitieren die Gemeinden, in denen Jugendkirchen gestartet wurden, von den Experimenten und geistlichen Möglichkeiten, die zu entdecken waren: Jugendarbeit gemeinsam – einzigartig – bewegt.

Eine Neuordnung der Jugendarbeit fiel in meine Zeit, die sich zwar mit der von 1946 nicht vergleichen lässt, dennoch immer angemahnt wurde: Die Zusammenführung der Landeskirchlichen Schülerarbeit (LaKiSa) und des Bereichs Musisch-Kulturelle-Bildung (MuKuBi), heute Experimentelle Bildungsräume/Playing Arts, mit dem EJW. Landesjugendpfarrer Rolf Ulmer und ich waren beauftragt, diese vorher oft gescheiterte „Ehe“ anzubahnen. Lange Gespräche, viel Überzeugungsarbeit und gestaltete Einigungsprozesse waren nötig, um den Weg frei zu machen. Das Ergebnis hat sich bewährt, und heute ist das EJW gestärkt und die landeskirchliche Einbindung bei freier Gestaltung vorbildlich verwirklicht: Jugendarbeit gemeinsam – einzigartig – bewegt.

Zu meiner Zeit als Leiter des EJW kam die Deutsche Bibelgesellschaft auf uns zu. Gemeinsam entwickelten wir das Konzept einer vor allem für junge Leserinnen und Leser geeigneten neuen Bibelübersetzung. Ziel war es, eine für die heutige junge Generation verständliche, neu aus den Urtexten übersetzte, digital vernetzte Übersetzung in Angriff zu nehmen. Die Geburtsstunde der BasisBibel! Nach rund 18 Jahren wurde sie am 21.1.2021 vorgestellt und in den Verkauf gegeben. Als Generalsekretär der Deutschen Bibelgesellschaft konnte ich das Projekt begleiten und mit steuern – so wird Jugendarbeit fruchtbar für die Weitergabe der frohen Botschaft: Jugendarbeit gemeinsam – einzigartig – bewegt.

Das EJW habe ich vom ersten Tag an als dynamisch, kreativ, kraftvoll und geistlich engagiert erlebt. Manchmal sprudelten die neuen Ideen so sehr, dass die Reihenfolge der Projekte erst einmal festgelegt und die Ressourcen geprüft werden mussten. Am Ende stand aber immer das fröhliche Wagnis, neue Wege zu beschreiten. Oft war das EJW Vorreiter in Deutschland, auch dank des langjährigen Vorsitzenden Rolf Lehmann, der einfach ein großer Visionär war, der sein bescheidenes Auftreten mit genialer Motivierungskraft verband.


Klaus Sturm war von 2002 – 2007 Leiter des EJW

Gut zusammenspielen
Beim Sport ist es selbstverständlich. Nur wer gut zusammenspielt, kann auch gewinnen. Dasselbe gilt für Jugendarbeit und Kirche. Wer versucht, die Formel „selbständig im Auftrag“ rechtlich zu definieren, wird verlieren. Bei der Diskussion um Jugendkirchen und Jugendgemeinden war das besonders spannend. Ganz grundsätzliche Forderungen standen im Raum. Doch gerade an dieser Schnittstelle zwischen Jugendarbeit und Kirchengemeinden bzw. Kirchenbezirken zeigte sich, wie gut sich neue Formen in den alten Ordnungen unterbringen lassen.

Mein Fazit:
Jugendarbeit tut gut daran, die Spielräume zu nutzen, die sie hat. Mit dem Ziel, junge Menschen mit dem Evangelium zu erreichen und frische Ausdrucksformen von Kirche zu gestalten. Und Kirche tut gut daran, der Jugendarbeit diese Freiräume zu lassen. So gewinnen beide. Und vor allem gewinnen junge Menschen.


Gottfried Heinzmann war von 2008 bis 2016 Leiter des EJW

Wenn ich als Leiter des EJW an evangelische Jugendarbeit denke, geht mir das Herz auf. Weil ich unzählige Menschen vor Augen habe, die auf einzigartige Art und Weise die konkrete Jugendarbeit in Orten, Bezirken und auf Landesebene ausmachen. Für mich persönlich sind Freizeiten ein wichtiger Teil meiner Jugendarbeitsgeschichte. Ich erinnere mich an viele bewegende Momente: An tiefgehende Glaubensgespräche, an Abende am Lagerfeuer, an Kanutouren auf norwegischen Seen oder an Zeltlagerüberfälle bei strömendem Regen. Freizeiten haben auch meinen Glauben entscheidend geprägt. Dafür bin ich dankbar!


Cornelius Kuttler ist seit 2017 Leiter des EJW

Mühsam, aber überfällig war die Fusion des Evangelischen Mädchenwerks und Jungmännerwerks. Sie liegt jetzt schon 50 Jahre zurück, ist schon Geschichte. Ich erinnere mich nur noch wage an die Unzahl der Vorgespräche und Sitzungen, in denen es um die Ordnung des künftigen Jugendwerks ging. Ein Entwurfspapier folgte dem anderen, mal grün, mal hellgelb oder goldgelb. Auf der Seite des Mädchenwerks gab es die Befürchtung, dass es seinen weiten theologischen Horizont und seine pädagogisch-musischen Gaben nicht einbringen kann, sondern dass dies in der Fusion – ich überzeichne nun etwas – maskulin und mit einem „hemdsärmeligen Evangelistenstil“ überfahren wird. Auf der Seite des Jungmännerwerks mag es die Befürchtung gegeben haben, dass die Verbindung mit dem Mädchenwerk Verlust des Profils einer entschiedenen bibelorientierten Jugendarbeit bedeutet. Dies alles war mehr untergründig als offen ausgesprochen. Im Rückblick muss ich hier Robert Seiler nennen, er hat in diesem schwierigen Prozess als ein guter Makler und Brückenbauer gewirkt und schließlich einen guten und tragfähigen Entwurf einer Ordnung eingebracht.

Ich erinnere mich noch an die Sorgfalt, mit der wir uns um die Formulierung der Präambel der neuen Ordnung bemühten. Es war ja nicht so, dass mit dem Mädchenwerk und Jungmännerwerk zwei Fremde zusammenfanden. Schon vor der Fusion gab es Gemeinsames: Gemeinsame Leitung von Freizeiten und gelegentlich gemeinsame Sitzungen der Hauptausschüsse. Ein weiteres Zeichen des Zusammenfindens war, dass ich – der frühere Leiter des Mädchenwerks – zum Vorsitzenden des neuen EJW gewählt wurde. Schließlich wurde ich – viele Jahre später – immer wieder um die Leitung von Wanderfreizeiten in Sils-Maria gebeten. Ich habe in der Zeit des Evangelischen Mädchenwerks und späteren Jugendwerks viel empfangen, mehr als ich gegeben habe.

Die Erinnerung an das Knirschen der Fusionsmühen kommt mir heute vor wie das ferne, ferne Grollen eines abziehenden Gewitters.


Traugott Scheytt war von 1963 – 1971 Leiter des Evangelischen Mädchenwerks
in Württemberg und von 1981 – 1984 Vorsitzender des EJW

Gemeinsam
Oberflächlich betrachtet könnte man sagen: Seit der Fusion 1971 bilden Jungmänner- und Mädchenwerk ein gemeinsames Evangelisches Jugendwerk. Aber an noch viel mehr kann man beim Stichwort gemeinsam denken:

  • wie viele weitere Institutionen und Arbeitszweige, Milieus und Menschen unter dem gemeinsamen Dach des EJW zusammen sind
  • wie unter dem Motto selbständig im Auftrag Gemeinsamkeit und Eigenständigkeit im Verhältnis zur Landeskirche formuliert sind
  • wie im Jugendwerk verschiedene Altersgruppen sich, bei aller Unterschiedlichkeit, durch den gemeinsamen Glauben und durch die Verfolgung gemeinsamer Ziele verbunden wissen.

Wie ich das in meiner Zeit in der Leitung des EJW (1990-1998) und danach erlebte, dafür nenne ich zwei Beispiele:
Ich hatte an unendlich vielen Sitzungen, Besprechungen, Versammlungen, Lehrgängen usw. mitzuwirken. Die Teilnehmenden, Themen, Aufgaben und Umstände konnten kaum unterschiedlicher sein. Aber alle begannen sie mit dem Hören auf ein Wort der Bibel. Auf den Klausuren des Vorstandes oder des Fachausschusses Jungenarbeit, in dem ich den Vorstand vertrat, wurde sogar eine ausgewachsene Bibelarbeit daraus und bei vielen Veranstaltungen ein Gottesdienst. Gerne habe ich mich an der Vergewisserung im Evangelium und der daraus folgenden stetigen Erneuerung des Auftrags beteiligt. Natürlich waren wir, auch in der Besinnung auf das Wort der Bibel, verschiedene Leute mit unterschiedlichen Prägungen und Interessen. Aber wir blieben vereint in der Gründung auf das Evangelium von Jesus Christus. Nicht zuletzt daraus entstanden viele Verbindungen und Freundschaften, die für das Jugendwerk prägend sind.
Beispielhaft für diese Gemeinsamkeiten erlebte ich die Bläserarbeit. In ihr finden sich Menschen aus verschiedenen Generationen, Milieus und Musikinteressen. Sie sieht sich der Jugendarbeit, der Kirche bzw. ihren Gemeinden und dem Auftrag der öffentlichen Verkündigung verpflichtet. Besonders augenscheinlich wird diese Vielfalt bei den Landesposaunentagen in Ulm, wo sich der Horizont in die Stadt, ins Land und (durch die Gäste) in die Welt hinaus weitet. Und wie überall steht auch hier das Hören auf das Evangelium, die Gründung im dreieinigen Gott und sein Lob in der Mitte.
Es war mir eine besondere Verpflichtung und Freude, der Posaunenarbeit noch viele Jahre verbunden zu bleiben und mich mit ihren Bläserinnen und Bläsern, ihren Freundinnen und Freunden um das Wort Gottes zu scharen. Auf Lehrgängen und Freizeiten konnte ich auch die Ver-bundenheit mit -und die Freude aneinander hautnah miterleben.
Die Gemeinsamkeit im EJW ist ein Gewinn und Reichtum – für die jungen Menschen allen Alters, für die Kirche und ihre Gemeinden, für viele Einzelne; und für mich.


Hermann Kiedaisch war von 1990 – 1998 Vorsitzender des EJW

1968. Die Landesstellen von Mädchenwerk und Jungmännerwerk sind noch streng getrennt. Die praktische Jugendarbeit vor Ort findet aber oft schon „gemischt“ statt. In dieser Situation planen einige Leute aus beiden Werken einen gemeinsamen JUGENDTAG, statt der großartig traditionellen Mädchentage und Jungmännertage. Revolutionär!
Hauptredner in der großen und übervollen Halle 6 auf dem Killesberg war Bundesjustizminister Gustav Heinemann. In der Woche danach sagte ein Verantwortlicher in der Danneckerstrße: „Dahinter können wir nun nicht mehr zurück.“ So ist es in der Evangelischen Jugendarbeit immer. 1968 war nichts mehr wie 1946 und 2021 ist nichts mehr wie 1971. Nur eines bleibt – wie wir es damals immer gesungen haben: „Jesus Christus, König und Herr, sein ist das Reich, die Kraft, die Ehr. Gilt kein andrer Name heut und ewig. Amen.“ In diesem Sinne geht es nicht um Rückblick, sondern um Aufblick und weiter im Sinne der alten Jungscharlosung „Mutig voran“.


Rolf Lehmann war von 1998 – 2004 Vorsitzender des EJW

Mir fällt bei den Stichworten #gemeinsam, #einzigartig und #bewegt eine Veranstaltung ein, die sich in den letzten Jahren im EJW-Jahreskalender fest eingeprägt hat: Die Teilnahme des EJW-Laufteams beim Stuttgart-Lauf. In unseren auffallend roten EJW-Laufshirts mit der Botschaft „Sieger – ich glaub schon“ machen sich Läuferinnen und Läufer aus verschiedenen Arbeitsbereichen des EJW beim Halbmarathon auf den Weg. Das sportliche Unterwegssein zusammen mit Tausenden ist ein einzigartiges Erlebnis. Als von Jesus Christus bewegte Sportler geben wir als Kirche beim morgentlichen Gottesdienst vor dem Start einen geistlichen Impuls auf den Weg. Mit dieser aktiven Teilnahme am Stuttgart-Lauf zeigen wir öffentlich, dass das EJW für eine Jugendarbeit steht, in der Geist, Seele und Körper gefördert wird.

Am Beispiel des EJW-Laufteams und des Stuttgart-Laufs werden für mich typische Kennzeichen evangelischer Jugendarbeit erkennbar: Wir verstecken uns nicht, sondern wirken öffentlich in die Gesellschaft hinein. Mit der parallelen Fundraising-Aktion werden auch Nicht-Laufende an der Aktion beteiligt, in dem sie mit ihren Spendenzusagen die Läuferinnen und Läufer motivieren und EJW-Projekte unterstützen. Das EJW wirkt am Sportler-Gottesdienst mit und lädt zusammen mit anderen dazu ein, den Laufsonntag mit einem niederschwelligen gottesdienstlichen Treffen mit ansprechender Musik und einer zu Jesus einladenden Verkündigung zu beginnen. Mit unseren Trikots sind wir als Gruppe erkennbar und regen mit der aufgedruckten Botschaft zum Nachdenken an.

Es gibt noch vieles, was ich in den über dreißig Jahren meiner ehrenamtlichen Mitarbeit im EJW in Bezug auf die Stichworte #gemeinsam, #einzigartig und #bewegt erlebt habe. Aber der Stuttgart-Lauf verbindet die drei Jubiläums-Stichworte besonders gut. Und deswegen freue ich mich darauf, hoffentlich bald wieder mit dem EJW-Laufteam beim Stuttgart-Team am Start zu sein.


Andreas Lämmle ist seit 2013 Vorsitzender des EJW